Dezember 2020: die Eibe

Betreff: Münster

Der Baum der Unsterblichkeit.

Die Eibe, auch Taxusbaum genannt, wird in Französisch einsilbig als „if“ bezeichnet – ein Wort, das wahrscheinlich mit dem gallischen „ivos“ verwandt ist und den Ursprung des Vornamens Yves lieferte.  Der lateinische Name „taxus“ stammt vermutlich von einer indoeuropäischen Wurzel ab, die „geschickt arbeiten“ bedeutet und sich auf die Verwendung des extrem harten Eibenholzes bezieht.  Oft in der Nähe von Friedhöfen gepflanzt, hat die Eibe mit ihrem immergrünen Laub einen großen symbolischen Wert in Verbindung mit dem Totenkult. Einerseits wird sie aufgrund ihrer eigenen Langlebigkeit mit der Unsterblichkeit verbunden, andererseits aber auch mit Abtreibung und Tod aufgrund ihrer Toxizität: mit Ausnahme der roten Samenmäntel sind all ihre Bestandteile giftig.

Entsprechend ist es naheliegend, zahlreiche Darstellungen der Eibe in der christlichen Bildkunst wiederzufinden, um die Gläubigen an ihrem Menschsein zu erinnern. Im Straßburger Münster ist sie im unteren Teil des linken Flügels dargestellt, zwischen einem Leimkraut und einem Stiefmütterchen.

Betreff: Flora

Taxus baccata L. – Eibengewächse (Taxaceae)

Die europäische Eibe ist ein nicht-harziger Nadelbaum aus der Familie der Eibengewächse (Taxaceae). Der sehr langsam wachsende Baum liefert dichtes, unverrottbares Holz mit hoher mechanischer Festigkeit. Bis ins Mittelalter hinein wurde das Holz zur Herstellung von Langbögen und Armbrüsten verwendet. Eine Eibe kann bis zu 25 Meter hoch und über zweitausend Jahre alt werden.

Ihre Blätter bestehen aus leichtweichen und flachen Nadeln, deren Oberseite dunkelgrün und deren Unterseite etwas heller ist. Der Samen ist von einem attraktiven roten, gallertartigen Becher umgeben – der als Arillus (Samenmantel) bezeichnet wird –, was seine Verbreitung durch Vögel erleichtert: Diese fressen den Samen und tragen ihn in ihrem Darm weiter ohne ihn zu verdauen. Dieser Arillus ahmt die Struktur fleischiger Früchte der blühenden Pflanzen nach. In Wirklichkeit handelt es sich nur um ein Simulakrum, denn dieser fleischige, den Samen umgebende Teil, stammt nicht aus dem Eierstock, sondern aus einem Blattgewebe, das sich an der Basis der Eizelle entwickelt. Es ist der einzige essbare Teil der Eibe. Alle anderen Teile der Pflanze sind hochgiftig, weswegen die Eibe an allen Stellen, an denen das Vieh sie abfressen könnte, ausgerottet wurde.

Das toxische Molekül der Eibe, das Paclitaxel, wird heute bei der Herstellung von Arzneimitteln zur Krebsbehandlung eingesetzt.

Zum Schluss noch eine gestalterische Nutzung: In der Landschaftsarchitektur eignet sich dieser Baum dank seiner leichten Knospenbildung ganz besonders für die Formschnittkunst, da er die Gestaltung allerlei Formen wie Zapfen, Kugeln, Tiere und dergleichen ermöglicht.

Zeichnung: Jaime Olivares.
Text und Foto: Shirin Khalili.
Übersetzung: Stéphanie Winzerith

L’herbier de bronze de Shirin Khalili – Décembre : l’if

Côté Cathédrale

L’arbre de l’immortalité.

Le nom if viendrait du gaulois ivos, dont dériverait le prénom français Yves. Le nom latin taxus viendrait quant à lui d’une racine indo-européenne signifiant « travailler habillement » faisant référence à l’usage du bois extrêmement dur de l’if. Planté aux abords des cimetières, à feuillage toujours vert et persistant, l’if est empreint d’une grande valeur symbolique, alliée au culte des morts. Il est aussi bien associé à l’immortalité en raison de sa longévité, qu’à l’avortement et à la mort par la forte toxicité de toutes ses parties en dehors de ses arilles rouges.

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4. Der heilige Hain und die drei Buchen

Uralte, halb verklungene Sagen, berichten, daß der Ort, wo jetzt das Münster sich erhebet, und des wundervollen Thurmes Spitze so kühn empor gen Himmel raget, seit mehr denn zwei Jahrtausenden, eine Gott geweihte und geheiligte Stätte sei.

Lange, lange Zeit vor Christi Geburt, da stund auf der Anhöhe, auf welcher seitdem die weltberühmte Domkirche erbauet wurde, ein heiliger, dem Kriegsgotte geweiheter Hain. Denn nicht in Mauern, von Menschenhänden aufgerichtet und nicht unter irgend einer von menschlichem Geiste erdachten Gestalt, beteten einst, im Heidenthume, die alten Deutschen ihre Götter an. Im geheimnißvollen, schaurigen Dunkel heiliger Haine, im undurchdringlichen Schatten dichtverwachsener Urwälder, welche keine Axt berührte, da wohnte die Gottheit, unsichtbar und unerreichbar dem irdischen Auge; ihre Gegenwart aber und ihr Wirken bezeugten das Rauschen der Wälder, das Lispeln der Blätter, das Gesprudel der Wellen, das Funkeln der Sterne und der Segen der Erde.

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Les contes de Louis Schneegans, décembre – Le bosquet sacré et les trois hêtres

A en croire de très vieilles légendes dont on ne perçoit plus qu’un faible écho, l’endroit où se dressent aujourd’hui la cathédrale et la merveilleuse flèche de la tour, celle qui s’élève si hardiment vers le ciel, serait depuis plus de deux millénaires un lieu sacré et un sanctuaire.

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November 2020: die Stieleiche

Betreff: Münster

Der Baum des Glaubens und der Tugenden.

Chêne ist die französische Bezeichnung der Eiche. Der Begriff stammt aus dem gallischen drull bzw. seiner Abwandlung chassanh im Norden Okzitaniens, das sich zum Altfranzösischen chaisne weiterentwickelte. Der Zusatz robur ist ein lateinischer Begriff für die Kraft oder die Stärke, insbesondere bezogen auf die Robustheit und die Langlebigkeit vieler Eichenarten. Aus dem lateinischen robur wurde auch roboratif, Französisch für „kräftigend“, ein Charakteristikum das man einigen Heilmitteln gerne zuschreibt.

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L’herbier de bronze de Shirin Khalili – Novembre : le chêne pédonculé

Côté Cathédrale

L’arbre de la foi et des vertus !

Le nom « chêne » vient du gaulois drull, il a d’abord donné chassanh dans le nord occitan, puis chaisne en ancien français. Robur, quant à lui, vient du mot latin signifiant « force », en référence à la vigueur et à la longévité des nombreuses espèces de chênes. En découle aujourd’hui le terme «roboratif» que l’on donne à certains remèdes.

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Frank Muller, « Die Darstellungen von Ecclesia und Synagoge in der Reformationszeit »

Im ersten Vortrag dieser Saison (der ursprünglich schon im März vorgesehen war) sprach der emeritierte Professor für jüngere Geschichte, Spezialist für die Zeit der Reformation in Straßburg,  Frank Muller über die Verwendung des typologischen Motivs ‚Ecclesia und Synagoge‘ und dessen Weiterentwicklungen und Variationen im Zeitalter der Reformation. Eine ausführlichere Fassung wird demnächst im Bulletin de la cathédrale de Strasbourg zu lesen sein.

Ecclesia und Synagoge, vom südlichen Querhausportal des Strassburger Münsters, um 1220. Die Originale im Musée de l’OEuvre Notre Dame in Strassburg.

Prof.  Muller begann mit einer kurzen Erklärung zum im Mittelalter und darüber hinaus weit verbreiteten typologischen Denken in der Theologie: einer Figur oder einem Ereignis des Alten Testaments (oder auch der Mythologie), dem Typos, wird ein Antitypos, d.h. eine Figur oder ein Ereignis der Neuen Testaments, der ‚neuen Kirche‘ gegenüberstellt. Es geht nicht um eine abwertende Kontrastierung, sondern die Präfiguration wird sozusagen als Beweis der Erfüllung der göttlichen Verheißung benutzt.

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3. Das Uhrwerk im Münster

Seit lange schon war das alte, ursprüngliche Uhrwerk im Münster in Abgang gekommen.

Da ließen Meister und Rath dasselbe durch ein noch viel künstlerisches ersetzen.

Ein Uhrmacher, der nirgends seines Gleiches fand, erdachte und vollführte das Wunderwerk.

Nirgends, weit und breit, nirgends auf der großen, weiten Welt, war ein Uhrwerk zu sehen, daß man, auch nur von Ferne, diesem unvergleichlichen Meisterstücke der Kunst hätte zur Seite stellen können.

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Les contes de Louis Schneegans, novembre – L’horloge dans la cathédrale

Cela faisait longtemps, longtemps que l’ancienne horloge de la cathédrale ne fonctionnait plus.

Voilà pourquoi les maîtres de corporations et le Grand Conseil décidèrent de la remplacer par une autre qui serait encore plus merveilleuse.

Un horloger, à nul autre pareil, conçut et exécuta la merveille.

Nulle part aux alentours, nulle part dans le grand et vaste monde, on ne pouvait trouver une horloge qui, même de loin, aurait soutenu la comparaison avec cet incomparable chef-d’œuvre artistique.

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Frank Muller, « Le thème de l’Église et de la Synagogue et ses transformations à l’époque de la Réforme »

Pour la première conférence de leur nouveau cycle commun, les Amis de la cathédrale et la Fondation de l’Œuvre Notre-Dame ont attiré un public intéressé, malgré la situation sanitaire. Il faut dire que le conférencier et le sujet s’y prêtaient. Le professeur Frank Muller s’est attaché avec la compétence qu’on lui connaît, à développer le thème de la Synagogue et de l’Église au temps de la Réforme.

L’Église et la Synagogue, Tobias Stimmer, 1572
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