5. Das Grüselhorn und der Judenblos

Im Sommer des Jahres 1349 kam in das Elsass das größte, schauderhafte Sterben, das bis dahin die Rheinlande heimgesucht hatte.

Aus Asien und Afrika herüber kam die Pest nach Europa und würgte, in der Christenheit gleich wie in der Heidenschaft, die Menschen zu Tausenden, denn, nach dem Berichte der gleichzeitigen Chronikschreiber, herrschte dieses Sterben von einem Ende der Welt bis zu dem anderen, jenseits wie diesseits der Meere.

Den schwarzen Tod nannten die von Schrecken und Entsetzen ergriffenen Völker diese grausame Pest.

Gräulich wütete dieselbe, zu Straßburg wie allenthalben: bei sechszehntausend Menschen gingen zu Grabe, und namenlos war der Jammer und das Elend!

Die Juden allein blieben verschont vor dem Tode, zu Straßburg wie auch an anderen Orten; und hier, wie anderswo, den ganzen Rhein entlang, erscholl die unheilvolle Kunde, daß sie Gift in die Brunnen geworfen und also das Wasser verdorben und das grausame Sterben hervorgerufen hätten.

Und weithin, in vielen Städten, vom Meere hinweg bis in die deutschen Lande, wurden die Juden verbrannt von den ergrimmten Völkern…

Emile Schwitzer, Bild (1894) dem Judenpogrom in Straßburg der 14. Februar 1349
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4. Der heilige Hain und die drei Buchen

Uralte, halb verklungene Sagen, berichten, daß der Ort, wo jetzt das Münster sich erhebet, und des wundervollen Thurmes Spitze so kühn empor gen Himmel raget, seit mehr denn zwei Jahrtausenden, eine Gott geweihte und geheiligte Stätte sei.

Lange, lange Zeit vor Christi Geburt, da stund auf der Anhöhe, auf welcher seitdem die weltberühmte Domkirche erbauet wurde, ein heiliger, dem Kriegsgotte geweiheter Hain. Denn nicht in Mauern, von Menschenhänden aufgerichtet und nicht unter irgend einer von menschlichem Geiste erdachten Gestalt, beteten einst, im Heidenthume, die alten Deutschen ihre Götter an. Im geheimnißvollen, schaurigen Dunkel heiliger Haine, im undurchdringlichen Schatten dichtverwachsener Urwälder, welche keine Axt berührte, da wohnte die Gottheit, unsichtbar und unerreichbar dem irdischen Auge; ihre Gegenwart aber und ihr Wirken bezeugten das Rauschen der Wälder, das Lispeln der Blätter, das Gesprudel der Wellen, das Funkeln der Sterne und der Segen der Erde.

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3. Das Uhrwerk im Münster

Seit lange schon war das alte, ursprüngliche Uhrwerk im Münster in Abgang gekommen.

Da ließen Meister und Rath dasselbe durch ein noch viel künstlerisches ersetzen.

Ein Uhrmacher, der nirgends seines Gleiches fand, erdachte und vollführte das Wunderwerk.

Nirgends, weit und breit, nirgends auf der großen, weiten Welt, war ein Uhrwerk zu sehen, daß man, auch nur von Ferne, diesem unvergleichlichen Meisterstücke der Kunst hätte zur Seite stellen können.

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2. Das Gewölbe und der See unter dem Münster

Der unterirdische See des Straßburger Münsters ist nur eines der zahlreichen Themen, an denen viele Mythomanen, ewige Liebhaber von Mysterien, Mystik und Spiritismus, von jeher ihren Spaß fanden. Schneegans’ Text greift dies auf.

Etliche von den gemeinen Leuten (deren noch etwelche sich finden möchten) sind zwar dieser Meinung gewesen, daß unter dem Münster ein lauteres Gewölbe sei, also daß man mit einem Schiff darunter hin und her fahren könne; den Eingang habe man in einem Keller gerade gegen dem Münster über, in einer Behausung nebst der Eck-Apotheke zum Hirsch genannt, darinnen voriger Zeit ein Barbierer Namens Geßler, und dieser Zeit auch einer mit Namen Moses  (wie auch der selbige Ahne dem Haus angemalt ist ) suchen müssen.

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1. Das Männlein auf dem Geländer bei der Engelsäule

Ein Jeder, der im Münster gewesen, kennt das Männlein, das nahe bei der Uhr, oben über der St. Andreas-Kapelle, von dem Geländer der St. Niklaus-Kapelle emporschaut, zur prachtvollen Engelsäule, welche das Gewölbe des südlichen Kreuzarmes trägt.
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