Skandal in Straßburg : Es wurde nachts auf dem Münsterturm gesungen !

Straßburger Neueste Nachrichten, 7. September 1891

„Nach allgemeiner Annahme soll die böse Geisterstunde mit dem Schlage Eins ihr Ende erreicht haben. In der verflossenen Nacht ward jedoch eine Ausnahme von diesem Gesetze der Geister gemacht und wer etwa um halb zwei Uhr Nachts den heimischen Penaten zustrebte und den Münster oder Schloßplatz passirte, dem ward ein Ohrenschmaus zutheil, der von Geistern herzurühren schien, denn  hoch oben vom Münsterthurme scholl ein Singen herunter, das gar sonderbar dem tief unten Wandelnden erschien. Wer aber anhielt um irgendeine Zauberformel zu erhaschen, der wurde in dieser Beziehung gewiß enttäuscht, denn es waren bekannte Deutsche Lieder, welche dort erklangen. Nach dem Liede von der wunderschönen Stadt Straßburg, wurde des Waldes, der immer noch „dadroben“ steht, gedacht und das Singen klang aus in dem elegischen Neßler’schen „Behüt’ dich Gott“. Gar wehmüthig tönte es also zum Schlusse herunter und gar wehmüthig werden wohl die Sänger darein schauen, wenn die hl. Hermandad ihrer habhaft sein wird. Ein „ungebührlich Singen“ kann streng geahndet werden.“    

Dieser Bericht ist in mehr als einer Hinsicht interessant.

Des chanteurs à Strasbourg en 1856 (gravure de Lallemand, L’Illustration).
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Der Mythos Erwin

Erwins Figur hat im künstlerischen Bereich eine Starke Verbreitung gefunden: zahlreiche Gemälde und Skulpturen feiern ihn immer wieder. Theophil Schulers Gemälde Der Bau des Münsters, 1842, legt davon ein beredtes Zeugnis ab und treibt den Geniekult auf die Spitze.

Erwin

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Balthazars kleiner Hund

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Der Zug der Heiligen Drei Könige, am Nord-Portal des Münsters (St.-Lorenz-Portal), Anfang des 16. Jahrhunderts, mit modernen Kopien.

Der heilige Matthäus ist der einzige der vier Evangelisten, der die Ankunft der Weisen aus dem Morgenland erwähnt, um dem König der Juden in Bethlehem zu huldigen (2:1-12). Im dritten Jahrhundert ist es eine Selbstverständlichkeit: Sie sind Könige, sie sind drei, sie verkörpern sowohl die drei Zeitalter des Lebens als auch die drei damals bekannten Teile der Welt, Asien, Afrika und Europa. Im achten Jahrhundert tragen sie einen Namen: Melchior, Caspar und Balthazar. Continuer à lire … « Balthazars kleiner Hund »

Elisabeth von Thüringen

Unter den Skulpturen des Münsters sticht die Statue der heiligen Elisabeth von Thüringen an der Seite der Katharinenkapelle hervor. Schauen wir uns dieses Werk an.

Von der Biographie zur Geschichte

Elisabeth 11207 als Tochter eines Königs im Norden Ungarns geboren, wurde sie im Alter von vier Jahren mit dem Sohne des Herzogs von Thüringen verlobt, an dessen Hof sie fortan aufgezogen wurde. Im Alter von dreizehn Jahren wurde ihre Hochzeit gefeiert und sie gebar bald drei Kinder; die Familie lebte auf der Wartburg in Eisenach. Von da an setzte sie ihre wohltätige Nächstenliebe fort, wie das Rosenwunder in ihrer Hagiographie es nachweist. Nach dem Tode ihres Mannes, wurde sie von ihrem Schwager aus dem Palast vertrieben, aber erhielt später dank der Unterstützung des Kaisers ihre Rechte wieder zurück. Geprägt vom Geist der Armut, den das Evangelium so hochschätzt, ließ sie sich in einer Einsiedelei im hessischen Marburg nieder und legte 1230 ihre Gelübde im Dritten Orden der Franziskaner ab. Niemals an Mitteln sparend, finanzierte sie von ihrem eigenen Geld ein Krankenhaus und hörte nie auf, sich den Bedürftigsten, vor allem den Kranken, zu widmen. Sie starb 1231, im Alter von 24 Jahren. Continuer à lire … « Elisabeth von Thüringen »

Meister Erwin von Steinbach – Die Ausbreitung eines Mythos : von Straßburg nach Europa

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Erwin von Steinbach, Kunsthistorisches Museum, Wien.

Für Erwin beginnt alles, oder fast alles, mit dieser Inschrift: « Im Jahr des Herrn 1277, dem Tag des Heiligen Urban, wurde dieses glorreiche Werk von Meister Erwin von Steinbach begonnen ». Die Inschrift, die lange auf einem der Westportale der Kathedrale sichtbar gewesen wäre, sollte dort in weißen gotischen Großbuchstaben auf blauem Grund lesbar sein. Sie kündigte der ganzen Welt die Identität des Vaters dieses berühmten Gebäudes. Continuer à lire … « Meister Erwin von Steinbach – Die Ausbreitung eines Mythos : von Straßburg nach Europa »

Ein Besuch, der sich lohnte

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Am Freitag, dem 22. und Samstag, dem 23. März, konnten für eine volle Stunde zwei Gruppen unseren Vereins das Haus Kammerzell besuchen. Unter der lächelnden Führung von Véronique Herbreteau, dipl. Kunsthistorikerin.

Lächeln, Lebhaftigkeit und Kultur kombiniert, begann der Besuch mit einem tadellosen Fokus: Was bedeuten die auf den Wänden eingravierten oder gemalten Daten? Was wissen wir über die verschiedenen Eigentümer und die Geschichte des Gebäudes ? Die Aufmerksamkeit wurde jedoch vor allem auf die Holzskulpturen gelenkt, die die Fassaden schmücken, mit Erläuterung ihrer Namen und symbolischen Funktionen. Ganz zu schweigen von den hölzernen Klappläden, Beweis dafür, daß das Haus damals ein Geschäft war. Continuer à lire … « Ein Besuch, der sich lohnte »

Ein Besuch in Molsheim und Schlettstadt am Samstag, den 13. April 2018


Der Tag begann mit einer Führung im Kartäuserkloster von Molsheim, die Raymond Keller leitete. Die Kartäuser siedelten sich schon 1598 in Molsheim an, eine Stadt, die dem Bischof von Straßburg zugeordnet war und gründeten dort ein großes Kloster in der Nähe der Stadtmauer. Die unterschiedlichen Klostergebäude waren um die Kirche herum angeordnet. Insgesamt 18 individuelle Klosterzellen waren um einen Kreuzgang verteilt, dessen Glasfenster Laurent und Barthélémy Linck zu verdanken sind. Jede Zelle bestand aus drei Räumen und einem kleinen Garten, sodass sich jeder Kartäusermönch von der Welt abschotten konnte. Kartäusermönche waren zwar vor allem geistig tätig, verrichteten jedoch auch körperliche Arbeit. Entsprechend konnte sich jeder Mönch ein Handwerk aussuchen und richtete sich eine Werkstatt in einem seiner drei Räume ein. Das Kloster wurde während der Revolution größtenteils zerstört. Heute bemühen sich der von Louis Schaefli gegründete Verein „Bénévoles du Chantier de la Chartreuse“ (Ehrenamtliche der Kartäuserkloster-Baustelle) und die Stadt Molsheim um die Restaurierung des Klosters. Durch Spenden und Ankäufe konnten einige der Zellen wiederaufgebaut und eingerichtet werden. Diese Zellen geben Einblicke in das, was man vom Alltag des Klosters weiß, sowie in unterschiedliche Themen wie Bibliothek, Handwerk/Handarbeit und dergleichen. Continuer à lire … « Ein Besuch in Molsheim und Schlettstadt am Samstag, den 13. April 2018 »